20. August 2026

Wie aus einer grauen Liste die heutige Genug-App wurde.

Genug ist eine kostenlose iPhone-App. Jeden Tag kannst du in sieben Bereichen festhalten, was heute da war. In der Woche stehen die Bestätigungen und die offenen Stellen nebeneinander, ohne Punktzahl und ohne Urteil.

Die erste Version bestand aus sieben Zeilen und einem Button. Sie funktionierte, sah aber aus wie ein Einstellungsmenü. Deshalb begann ich mit Farbe zu experimentieren. Zwei Tage später war von der Liste nichts mehr übrig. Jeder abgeschlossene Tag erschien nun als eigenes Bild.

Die veröffentlichte App verbindet beide früheren Versionen: die klare Ordnung der Liste und die Farben des visuellen Tagebuchs. Auf dem Weg dorthin änderte sich nicht nur die Gestaltung. Jede Version zeigte mir auch genauer, was die App leisten sollte und was nicht.

01Die erste Version war eine graue Liste

Am 26. Juli stand die erste vollständige Version. Die sieben Bereiche lagen als Zeilen untereinander. Ein Kreis markierte eine Bestätigung, ein Info-Button erklärte den jeweiligen Bereich. Mit „Tag abschließen“ endete der Check-in. Danach erschien jedes Mal derselbe Satz: „Genug für heute.“

Die einfarbige erste Version mit vier von sieben bestätigten Zeilen und dem Button „Tag abschließen“ darunter.

Tag abschließen

Derselbe einfarbige Tag nach dem Abschluss, mit dem Satz „Genug für heute“ unter den sieben Zeilen.

Genug für heute

Der einfarbige Rückblick: Monate als kleine dunkle und helle Quadrate, angeordnet in Zeilen mit je vierzehn Tagen.

Der Rückblick

So lief ein Abend in der ersten Version ab: Bereiche bestätigen, den Tag abschließen und ihn später im Rückblick wiederfinden. Die Bilder zeigen den Stand aus Commit 7f7a6ea.

Der zweite Bildschirm hieß Gewebe. Er zeigte mehrere Monate als kleine Quadrate. Jede Zeile war vierzehn Tage breit, damit sich nicht sofort ein Wochenrhythmus ablesen ließ. Es gab weder einen Zähler noch eine Streak. Die Grundidee der App war damit bereits zu erkennen.

Trotzdem wirkte die App austauschbar. Sie sah aus wie ein sorgfältig gestaltetes Einstellungsmenü. In meinen Notizen vom nächsten Arbeitstag steht deshalb: Die App machte mir noch keine Freude.

02Dann wurde aus der Liste ein Bild

Als Nächstes bekam jeder Bereich eine eigene Farbe. Mit jeder Bestätigung erschien ein weicher Farbpunkt im Hintergrund. Dafür hielt ich eine einfache Regel fest: Die Gestaltung darf Freude machen, aber sie darf den Tag nicht bewerten.

Nach und nach verschwanden die Zeilen, die Kreise und schließlich die ganze Liste. Im sogenannten Wortfeld standen nur noch die sieben Namen auf einer Farbfläche. Nach einer Bestätigung verschwand der Name und seine Farbe blieb stehen. Übersprungene Bereiche waren im fertigen Bild nicht zu sehen.

Daraus entstand die Sammlung. Jeder abgeschlossene Tag erschien als Farbverlauf, zusammengesetzt aus den an diesem Tag bestätigten Bereichen. Das Datum bestimmte Form und Muster. So sah derselbe Tag immer gleich aus und der Rückblick wurde zu einer Galerie.

Das Wortfeld vor der ersten Bestätigung: Alle sieben Namen stehen auf einem fast leeren, hellen Hintergrund.

Vorher

Das Wortfeld nach zwei Bestätigungen: Fünf Namen stehen noch über den ersten sichtbaren Farben.

Zwei bestätigt

Die Sammlung: eine zweispaltige Galerie aus einzelnen Verlaufsbildern, eines für jeden abgeschlossenen Tag.

Die Sammlung

Mit jeder Bestätigung verschwindet ein Name und mehr Farbe wird sichtbar. In der Sammlung erscheint jeder abgeschlossene Tag als eigenes Bild. Aufgenommen am 20. August.

Die Idee gefällt mir noch immer. Im Alltag merkte ich jedoch, dass mir die Verläufe zu wenig zeigten. Das habe ich damals nicht aufgeschrieben; es ist meine Erinnerung an diese Version. Im Repository ist nur ein konkretes Problem der Oberfläche dokumentiert.

Bei allen Varianten mit ineinanderlaufenden oder langgezogenen Farbflächen trat dasselbe Problem auf: Ein Abend mit vier Säulen war nicht von einem Abend mit zwei Säulen zu unterscheiden.
Commit 9ae8865, 28. Juli 2026, übersetzt

Die Notiz bezog sich auf die Bilder in der Galerie. Rückblickend glaube ich, dass hinter diesem konkreten Problem ein größeres lag: Das Design vermied Bewertungen inzwischen besser, als es mir half, meine eigenen Tage wiederzuerkennen. Harte Farbstreifen sollten wieder zeigen, wie viele Bereiche bestätigt waren. Diese Variante blieb 33 Minuten bestehen. Noch am selben Abend verschwand der Verlauf vom Hauptbildschirm. Stattdessen bekam jeder der sieben Bereiche einen festen Platz.

Die sieben Farben blieben. Ich hatte sie für die Verläufe ausgewählt und so angeordnet, dass die Mitte dunkel und die Ränder hell waren. Dadurch funktionierte jede Kombination als zusammenhängendes Bild. In der fertigen App füllen die Farben einzelne Kacheln.

#5FBDB5Wasser
#5C8FD9Stille
#6E5AC4Schlaf
#A362B0Self-Care
#E0819FVerbindung
#E89070Bewegung
#E8BA63Nahrung

03Die Lücken gehören zum Bild

Auf den ersten Blick ähnelt die heutige App wieder der ersten Liste. Der entscheidende Unterschied zeigt sich in der Wochenansicht. Die Tage stehen nebeneinander, und jeder Bereich hat eine feste Zeile. Farbe zeigt eine Bestätigung; eine offene Stelle bleibt einfach offen.

Damit zeigt die Oberfläche die Idee hinter Genug genauer als die Verläufe. Es geht nicht darum, jeden Tag alle sieben Bereiche zu bestätigen. Es geht darum, sie über mehrere Tage nicht aus dem Blick zu verlieren. Eine offene Stelle ist kein Fehler. Neben den farbigen Kacheln prägt auch sie das Bild.

Der aktuelle Bildschirm „Heute“: sieben feste Zeilen und ein Kreis für jedes Thema, drei der Kreise sind gefüllt.

Heute

Der aktuelle Bildschirm „Woche“: sieben Zeilen mit farbigen und leeren Kacheln für sieben Tage.

Die Woche

Der aktuelle Bildschirm „Fortschritt“: Jede der sieben Farben bildet ein langes Band aus bestätigten Tagen mit sichtbaren Lücken.

Fortschritt

Drei Ansichten, dieselben sieben Bereiche: Heute zeigt den einzelnen Tag, die Woche stellt sieben Tage nebeneinander und Fortschritt führt das Muster über einen längeren Zeitraum fort. Keine Ansicht berechnet daraus eine Wertung.

Die erste Liste war leicht zu verstehen, sah aber aus wie ein Einstellungsmenü. Die farbigen Verläufe gaben der App einen eigenen Charakter, verschleierten jedoch, welche Bereiche bestätigt waren. Erst die Kacheln verbanden beides: Jeder Bereich ist wieder klar erkennbar, und zusammen ergeben die Tage trotzdem ein Bild.

Die Gestaltung kam also nicht erst am Ende hinzu. Durch sie wurde überhaupt erst klar, wie Genug funktionieren sollte.

Genug für das iPhone

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